Zum 2. Juli, Fest Mariä Heimsuchung, geben wir hier gerne eine Betrachtung wieder, die entnommen ist aus dem Buch „Meditationen zum gesamten Kirchenjahr“ von Pater Ludwig de Ponte. Ganz unten finden Sie noch das Gebet „Magnifikat“.
1. Die Zuflucht der Sunder
Ist das nicht ein herrliches Bild, als die seligste Jungfrau das Haus der hl. Elisabeth betritt! Welch große Gnade wurde der Älteren dadurch zuteil. Als die Demütigste kommt Maria ihrer Base zuvor und grüßt zuerst. Sogleich bediente sich das menschgewordene Wort unter ihrem Herzen der frommen Worte seiner Mutter, um in der Seele des hl. Johannes ein Wunder zu wirken. Der Herr reinigte ihn von der Makel der Erbsünde, heiligte ihn durch Mitteilung seiner Gnade, erfüllte ihn mit himmlischem Lichte, vermehrte in ihm das natürliche Licht der Vernunft, erteilte ihm die Gabe der Weissagungen und erfüllte ihn mit solcher Freude, dass er unter dem Herzen seiner Mutter frohlockte.
Welche Gnade erlangt man für eine Seele durch die Vermittlung Mariens! Welche geistlichen Schätze darf man von der Gegenwart Jesu Christi erwarten, wenn er uns die Ehre erweist, uns in der heiligen Kommunion zu besuchen! Welche übernatürliche Erleuchtung, welch himmlische Gaben, welchen Eifer, welche geistige Freude würde sein Besuch in uns hervorbringen, wenn wir seinen Wirkungen kein Hindernis in den Weg legten!
Mein Gott und Herr, entferne durch Deine all mächtige Gnade alle Halbheit und Lauheit aus meinem Herzen, damit sie Deinen Gnadenwirkungen nicht weiter im Wege stehen. Ich bitte Dich um diese große Gnade vor allem durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria. Ich erhoffe sie auch von Deiner Barmherzigkeit, gestützt auf die Worte des Heiligen Geistes: „Habe Vertrauen, denn Gott ist es ein Leichtes, einen Armen reich zu machen“ (Sir 11,22-23). Lass mich die Wirkungen dieser trostreichen Worte erfahren, mein Heiland, zeige an mir Deine Freigiebigkeit. So arm ich auch jetzt an geistlichen Gütern bin, wenn Du Dich meiner erbarmst, werde ich im Augenblick reich sein.
2. Oh liebenswürdigste Jungfrau
Während Gott die Erbschuld des hl. Johannes hinwegnahm, unterhielten sich die beiden Mütter in liebenswürdigster Weise miteinander. Die ältere Elisabeth nennt Maria die Mutter ihres Herrn, sie bezeichnet es als eine große Ehre, von ihr besucht zu werden, Maria aber singt aus jubelnder Seele das Magnifikat. Dieses Lied ist wie eine Antwort auf das Wort ihrer Base. Wie kann doch oft ein schlichtes gutes Wort einen Menschen beglücken. Welchen Eifer kann es entflammen, wie viel Gutes kann es in der Seele wirken. Maria und Elisabeth verloren keine Zeit mit Komplimenten wie Weltleute bei täglichen Besuchen machen. Diesen letzteren gilt ja das Wort aus Psalm (11,3):
„Jeder redet mit dem Nächsten trügerisch, und sie sprechen zueinander nur mit schlauen Lippen und mit falschem Herzen. All die trügerischen Lippen und die prahlerischen Zungen soll der Heft ausrotten“. Die Schmeichelei ist ja oft nichts als die Kunst, andere auf höfliche Weise zu betrügen.
König David beklagt sich über diese nichtswürdigen Unterhaltungen: Die Frevler und Heuchler erheben sich gegen brich, mit lügnerischen Lippen sprachen sie zu mir, umgaben mich mit Hasssprüchen, und ohne Grund begannen sie den Streit mit mir (Ps 108,2).
Dein heiligstes Gesetz erfüllt die Menschensee allein mit wahrem Troste, o Gott. Dein Trost ist Kraft, er lässt die schwere Zeit mit Windesschnelle vorbeiziehen. Er sammelt Früchte aus der Not fürs ewige Leben. Um diese Früchte auch hienieden zu verkosten, muss man Dich lieben, o Herr.
Um Dich zu lieben, musst Du Dich würdigen, Deine Liebe unserem Herzen zu schenken!
3. Du bist gebenedeit unter den Frauen
Als Elisabeth Marias Stimme hört, wird auch sie vom Heiligen Geiste erfüllt, um ein Loblied auf Maria und ihr göttliches Kind zu singen: „Du bist gebenedeit”, sagt sie „unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!“ (Lk 1,2). Welche Bescheidenheit spricht auch aus dem Staunen der älteren Frau: „Woher kommt mir diese Gnade, dass die Mutter meines Herrn mich besucht!“ (Lk
1,43) Man spürt endlich die ganze Glückseligkeit, die sie bei der Nähe der Gottesmutter empfand, wenn sie sagt: „Deine Stimme hat kaum an mein Ohr geklungen, als das Kind in meinem Leibe vor Freude aufhüpfte“ (Lk 1,44). Nicht zuletzt bestärkte der Heilige Geist die seligste Jungfrau in dem Glauben an die Worte des Engels, als Elisabeth zu ihr sagte: „Und selig bist du, da du geglaubt, denn alles wird in Erfüllung gehen, was dir vom Herrn gesagt worden ist.“ (Lk 1,45).
So lehrt der Heilige Geist jene, denen er sich mitteilt, den Herrn zu loben und zu verherrlichen, seine Hoheit zu preisen, sich in seiner Gegenwart zu erniedrigen, mit lebendigem Dankgefühle seiner Gnade zu gedenken, ja, diese anderen Menschen mitzuteilen und ihre Umwelt in Erkenntnis und Liebe des Schöpfers zu befestigen.
Ziehen wir Nutzen aus dem Beispiel der hl. Elisabeth. Wenn Gottes Sohn in der heiligen Kommunion zu uns kommt, so wollen auch wir ihn mir den Worten begrüßen: „Woher kommt mir diese unbegreifliche Gnade, das mein Herr und Gott sich würdigt, mich mit seinem Besuche zu beehren, mich Armseligen und Unwürdigen? Doch ich will in der Liebe zu ihm wachsen und nicht mehr sündigen.
Magnifikat
V. Hoch preiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland.
A. Denn er hat herabgeschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd; / siehe von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.
V. Denn Großes hat an mir getan der Mächtige, heilig ist sein Name.
A. Und sein Erbarmen waltet von Geschlecht zu Geschlecht / über allen, die ihn fürchten.
V. Er übt Macht mit seinem Arm, zerstreut, die stolzen Sinnes sind.
A. Mächtige stürzt er vom Thron, / und Niedrige erhöht er.
V. Hungrige sättigt er, und Reiche läßt er leer ausgehen.
A. Er nimmt sich Israel, seines Knechtes an, /gedenkend seiner Barmherzigkeit.
V. Wie er es unseren Vätern versprochen, dem Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.
A. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit / und in Ewigkeit. Amen.


