{"id":152,"date":"2016-03-17T21:19:00","date_gmt":"2016-03-17T21:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/migration.mi-admin.ch\/2016\/03\/17\/postsmi-rundbrief-maerz-2016-127\/"},"modified":"2017-02-11T22:10:38","modified_gmt":"2017-02-11T21:10:38","slug":"postsmi-rundbrief-maerz-2016-127","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/postsmi-rundbrief-maerz-2016-127\/","title":{"rendered":"MI-Rundbrief M\u00e4rz 2016"},"content":{"rendered":"<p>von Pater Stehlin<\/p>\n<p><strong>O Immaculata, du Dem\u00fctigste!<br \/>\n<img style=\"width: 150px; height: 200px; float: right;\" src=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/media\/Aktuelles\/201603_rundbrief.jpg\" alt=\"\" \/><\/strong><\/p>\n<p>Liebe Ritter der Immaculata!<\/p>\n<p>Da in diesem Jahr der Karfreitag auf den 25. M\u00e4rz f\u00e4llt, will die g\u00f6ttliche Vorsehung unsere Aufmerksamkeit gleichzeitig auf die zwei gr\u00f6\u00dften Geheimnisse unseres Glaubens lenken, um uns durch deren Betrachtung zu heiligen!<\/p>\n<p>Was haben die beiden Geheimnisse der Menschwerdung und der Passion unseres Herrn gemeinsam?<\/p>\n<p><strong>Die Demut!<\/strong><\/p>\n<p>Bei beiden Geheimnissen wohnen wir einem totalen H\u00f6hepunkt der Dem\u00fctigung bei: Am 25. M\u00e4rz (bei der Verk\u00fcndigung) wird Gott Mensch und vernichtet sich selbst sozusagen bis zum Nichts; die Muttergottes, die K\u00f6nigin des Himmels und der Erde, betrachtet sich selbst nur als die niedrigste Magd des Herrn.<\/p>\n<p>Am Karfreitag sind beide, Sohn und Mutter, vernichtet, in der tiefsten Schmach, niedertr\u00e4chtig behandelt, \u201eein Wurm und kein Mensch\u201c, abgelehnt von der Menschheit, Auss\u00e4tzige\u2026<\/p>\n<p>Alles was wir tun m\u00fcssen, ist die Immaculata in ihrer Demut nachzuahmen. Weshalb wurde sie die gr\u00f6\u00dfte der Heiligen? Wegen ihrer Demut! Durch ihre Demut wandte sich die allerseligste Jungfrau Maria radikal von sich selbst ab, ent\u00e4u\u00dferte sich selbst von allem was nicht Gott ist. Ihre Seele ist arm, v\u00f6llig frei von irgendetwas \u201eEigenem\u201c. Sie ist wie ein kostbarer goldener Kelch. Um mit einer kostbaren Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllt zu werden, muss er leer sein, frei vom kleinsten Staubkorn. Die kostbare Fl\u00fcssigkeit muss ihre Frische bewahren, ohne mit irgendetwas vermischt zu werden.<\/p>\n<p>Das Leben Mariens ist ein kontinuierlicher Strang von Akten der Demut, der Dem\u00fctigung. Ihr Leben ist ein unersch\u00fctterlicher Zustand der dem\u00fctigsten Seele. Man muss im Vorhinein anmerken, dass es einen bedeutenden Unterschied gibt zwischen ihrer Demut und der Demut aller anderen Menschen. Letztere sehen zuerst ihren erb\u00e4rmlichen Zustand, verursacht durch die Erbs\u00fcnde und durch viele pers\u00f6nliche S\u00fcnden. Die dem\u00fctigende Sicht auf den zerst\u00f6rten Palast in ihrer Seele ist die Hauptquelle ihrer Demut.<\/p>\n<p>Die Demut Mariens st\u00fctzt sich nicht auf das Bewusstsein der S\u00fcndhaftigkeit, denn Maria beging nie die kleinste S\u00fcnde. Die Demut Mariens ist die Demut der Liebe, die Demut eines Freundes, der die Freundschaft Gottes empfangen hat, wissend, dass diese Freundschaft v\u00f6llig uneigenn\u00fctzig ist, ein reines Geschenk, eine g\u00e4nzlich unverdiente Gnade. Die geliebte Braut, wissend um die Gr\u00f6\u00dfe des ihr verliehenen Geschenks, antwortet darauf mit einem Akt der totalen Hingabe und Selbstverleugnung.<\/p>\n<p>Diese einzigartig dem\u00fctige Seele ist so entz\u00fcckt von der Sch\u00f6nheit Gottes, so versunken in seine Herrlichkeit, in seine unendliche Vollkommenheit, dass sie ihn nur noch loben und preisen will f\u00fcr alles, was er ihr freigebig geschenkt hat. Je mehr Maria in der Erkenntnis Gottes und seiner Gaben w\u00e4chst, umso gr\u00f6\u00dfer wird ihre Demut. Und sie singt in ihrem Lobgesang \u201eMagnifikat\u201c: \u201eDenn er ist m\u00e4chtig, Gro\u00dfes hat er an mir getan und heilig ist sein Name.\u201c<\/p>\n<p>Daher geschieht in Mariens Leben das Gegenteil von dem, was in unserem Leben geschieht. Je mehr wir unsere Tugenden und Talente entdecken, umso mehr entfalten wir sie und umso gr\u00f6sser ist die Gefahr, dass wir alles uns zuschreiben und Gefallen an uns selbst finden. Vor Publikum anzugeben, um andere damit zu entz\u00fccken, um die Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, um gelobt zu werden \u2013 dies alles sind klassische Beispiele des Stolzes in unserem Leben.<\/p>\n<p>Maria war sich der Sch\u00e4tze in ihrer Seele bewusst, besann sich aber auf den, der sie ihr geschenkt hat. Wir jedoch schreiben unsere Talente, St\u00e4rken und Tugenden einzig uns selbst zu. Gott als der Schenker verschwindet aus unserem Blick. Wir vergessen die weisen Worte der hl. Teresia von Avila: \u201eDemut besteht nicht in der Nichtbeachtung der Gaben Gottes, sondern in der Erkenntnis woher sie kommen.\u201c<\/p>\n<p>Betrachten wir einzelne Ereignisse im Leben Mariens, so erkennen wir verschiedene Eigenschaften und Ausdrucksweisen der Demut. Vor allem in diesem Punkt lohnt es sich, uns selbst Fragen zu stellen, die w\u00e4hrend der Betrachtung der Geheimnisse Mariens aufkommen sollten, n\u00e4mlich: Leben wir in diesen tiefen Wahrheiten? Wie ahmen wir sie, die uns als das gro\u00dfartigste und unfehlbare Vorbild gegeben wurde, nach?<\/p>\n<p>Zuerst (nach ihrer Unbefleckten Empf\u00e4ngnis und Geburt) sehen wir Maria als kleines Kind im Tempel von Jerusalem. Viele Kirchenv\u00e4ter und Theologen beschreiben, dass sie die eingegossene Weisheit (scientia infusa) empfangen hat, und ihr so Gott vom ersten Moment ihrer Existenz an das spezielle Privileg einer allumfassenden Weisheit gew\u00e4hrt hat. Daher kannte sie nicht nur die heiligen Schriften perfekt, sondern auch deren tiefste Bedeutung.<\/p>\n<p>Doch sie verbarg dieses Wissen mehrere Jahre lang vor den Menschen und unterwarf sich geduldig den Tempelvorstehern, die sie unterrichteten und aufzogen. Sie h\u00f6rte geduldig den Tempelpriestern zu, die ihr Lektionen in der j\u00fcdischen Gesetzeslehre erteilten. Sie h\u00f6rte auch die Lehren der Schriftgelehrten, die unser Herr sp\u00e4ter beschuldigte, den Geist zu t\u00f6ten und den Buchstaben zu behalten.<\/p>\n<p>Hier ein Beispiel: \u201eUm welche Zeit soll man das Morgengebet verrichten? In der D\u00e4mmerung, wenn das Licht beginnt das Blau der Nacht zu durchbrechen. Aber welches Blau? Bergblau oder Himmelblau? Au\u00dferdem, mit welchem Blick? M\u00e4\u00dfig oder durchdringend?\u201c Die Sch\u00fcler mussten alle Interpretationen kennen und wissen, dass ein Lehrer so und ein anderer anders lehrt!<\/p>\n<p>Also hatte Maria alles Recht dazu, gelangweilt und kritisch zu sein gegen\u00fcber dem, was sie lernte. Aber sie unterwarf sich weiterhin den Tempelvorstehern. Dieser Aspekt der Demut ist die Gelehrigkeit, die Unterwerfung (docilitas). Sicherlich lernte sie in dieser Zeit einige bedeutende und gro\u00dfe Dinge, die sie zu noch gr\u00f6\u00dferer N\u00e4chstenliebe anleiteten. Das Gegenteil geschieht mit uns. Wenn wir uns einmal einige theologische Kenntnisse angeeignet haben und diese von jemandem wiederholt bekommen, sind wir schnell dabei uns gelangweilt zu zeigen. Wenn es uns scheint, dass wir mehr als andere wissen, steigt ein stolzes Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit in uns auf, und wir lieben es, den anderen unsere Verachtung zu zeigen. Und doch k\u00f6nnten wir von solchen Situationen profitieren, denn wenn nur 10% von dem Wissen neu f\u00fcr uns ist, oder wenn wir eine andere Sicht auf das uns bekannte Thema erhalten, k\u00f6nnen wir dadurch n\u00e4her zu Gott gelangen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind die Geheimnisse Gottes unermesslich und f\u00fcr einen Akt der dem\u00fctigen Gelehrsamkeit gew\u00e4hrt er oft einen tieferen Einblick, als man sich w\u00e4hrend Jahren seri\u00f6sen Studiums selbst aneignen kann. Durch g\u00f6ttliche Eingebung angeleitet, weihte sich Maria Gott und legte das Gel\u00fcbde der Keuschheit ab, dessen Fest wir im liturgischen Kalender als das Fest der Darstellung der Allerseligsten Jungfrau Maria kennen.<\/p>\n<p>Die Tempelvorsteher hatten eine sehr negative Haltung gegen\u00fcber der Jungfr\u00e4ulichkeit und betrachteten kinderlose Frauen als von Gott verflucht. Deshalb kannten sie keinen anderen annehmbaren Lebensstand f\u00fcr eine Frau als den Ehestand. Zu jener Zeit entschieden die Eltern \u00fcber die Hochzeit ihrer Kinder und wenn ein Kind f\u00fcr den Tempeldienst bestimmt wurde, \u00fcbernahmen die Tempelvorsteher dessen elterliche Verantwortung. Kein M\u00e4dchen wurde zu dieser Zeit gefragt, wen es heiraten wollte. Man suchte einfach einen Ehemann f\u00fcr sie aus. So taten sie es auch mit Maria, sie w\u00e4hlten Joseph aus dem Hause David.<\/p>\n<p>Es ist leicht zu sehen, wie viel Demut es sie kostete, sich nicht gegen diese Leute aufzulehnen, die nichts von ihrem Seelenzustand verstanden; wie viel Geduld und Vertrauen sie aufbrachte, um nicht von Furcht \u00fcberw\u00e4ltigt zu werden vor der Reaktion Josefs, wenn er ihre Absicht, Jungfrau zu bleiben, erfahren w\u00fcrde. In solchen Situationen lehnten sich M\u00e4dchen normalerweise im Herzen auf, beklagten und beschwerten sich und murrten gegen Gott.<\/p>\n<p>Maria verblieb im Zustand dem\u00fctigen Vertrauens. Das blinde Vertrauen in die g\u00f6ttliche Vorsehung ist Ausdruck einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen Demut. Wenn wir keine L\u00f6sung f\u00fcr ein Problem finden, wenn alles auf eine Katastrophe hinausl\u00e4uft, wenn alles verloren scheint, wenn wir unsere eigenen Mittel ersch\u00f6pft haben und unsere Hilflosigkeit erfahren, dann sollten wir alles ohne Verwirrung oder Angst, sogar ohne Neugierde Gott anvertrauen und geduldig warten &#8211; das ist der Gipfel der Demut. Ein Mensch, der dem\u00fctig ist und sich seiner Not und seines Nichts bewusst ist, versucht alles, um Gottes Willen zu erf\u00fcllen, erwartet aber alles von Gott, der immer und \u00fcberall alles auf seine Weise gibt.<\/p>\n<p>Der wichtigste Augenblick und die gr\u00f6\u00dfte Manifestation der Demut war die Verk\u00fcndigung. In diesem Moment war alles Demut und Demut allein. Der gro\u00dfe Engel Gabriel (der Name bedeutet &#8220;Gott mit uns&#8221;) verbeugte sich tief vor dem M\u00e4dchen \u2013 in h\u00f6chster Demut. Dann offenbarte sich die Demut Mariens \u2013 und zuletzt, der Gipfel der Demut: Gottes Menschwerdung.<\/p>\n<p>Was ging in Maria vor in diesem entscheidenden Moment? Wir wissen, dass sie innigst \u00fcber das Wesen Gottes, seine Majest\u00e4t und Herrlichkeit betrachtete. Sie bewunderte die Wahrheit, dass er der unumschr\u00e4nkte Herr aller Dinge ist. Doch als der Engel vor ihr stand, war sie tief bewegt. Sie war \u00e4hnlich bewegt, als sie den Gru\u00df des Engels vernahm. Niemand hat je solche Worte geh\u00f6rt! Sie verstand genau was &#8220;gratia plena, Dominus tecum, benedicta inter mulieres&#8221; bedeutete. &#8220;Als sie diese Worte vernahm, erschrak sie dar\u00fcber&#8221; &#8211; sie konnte also keinen Grund f\u00fcr eine solche Ehre erkennen und konnte nicht verstehen, weshalb sie, die kleinste unter den Menschen, so ein Geschenk erhalten sollte. Der Engel sprach und es wurde klar, dass sie die gr\u00f6\u00dfte Ehre, das gr\u00f6\u00dfte Geschenk erhalten sollte, welches Gott seiner Kreatur verleihen konnte. Sie wurde die Mutter Gottes und wurde hineingenommen in das innerste Leben der heiligsten Dreifaltigkeit. Welches war ihre Antwort dazu? Dies sind die ersten Worte, die sie sprach: &#8220;Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?&#8221; Das ist ihre einzige Sorge: Gottes Willen zu erf\u00fcllen. Sie verstand im Voraus dass Gottes Wille darin besteht, dass sie sich ihm ganz weiht in heiliger Jungfr\u00e4ulichkeit.<\/p>\n<p>Und Gott best\u00e4tigte ihre Jungfr\u00e4ulichkeit feierlich dadurch, dass er ihr den hl. Josef als Ehemann gab. Dieser Mann respektierte nicht nur ihr Gel\u00fcbde der Jungfr\u00e4ulichkeit, sondern hatte genau dieselben Ideale. Durch das Geschenk der Jungfr\u00e4ulichkeit konnte sie sich ganz Gott hingeben und sich selbst grenzenlos \u00f6ffnen f\u00fcr seine Barmherzigkeit. Und nun sollte sie die Mutter des Messias werden. Da in der nat\u00fcrlichen Ordnung Jungfr\u00e4ulichkeit und Mutterschaft nicht gleichzeitig bestehen k\u00f6nnen, bat sie den Engel um eine Erkl\u00e4rung. Und der Engel erkl\u00e4rte das gro\u00dfe Wunder, das 700 Jahre vorher vom Propheten Isaias vorhergesagt wurde: &#8220;Seht, eine Jungfrau wird empfangen!&#8221; Angesichts der Schlussfolgerung, dass f\u00fcr Gott nichts unm\u00f6glich ist, sprach Maria ihr \u201eFiat\u201c und gab so ihre Zustimmung.<\/p>\n<p>Sogar eine sehr heiligm\u00e4ssige Person k\u00f6nnte unter solchen Umst\u00e4nden ein ganz klein wenig Befriedigung darin finden, dass Gott sie ausgew\u00e4hlt hat. Es w\u00e4re einfach zu denken: &#8220;Wie gro\u00dfartig, so geehrt zu werden, wieviel Gutes werde ich nun den anderen tun k\u00f6nnen, wie freundlich von Gott, dass er mich so ehrt.&#8221; Es ist schwierig, in solch einem Moment nicht den kleinsten Gefallen an sich selbst zu finden. Und sie? Obwohl sie gebenedeit ist unter allen Kreaturen und ausgew\u00e4hlt wurde zur gr\u00f6\u00dften Ehre, die einem menschlichen Wesen zuteilwerden kann, wusste sie genau, dass alles ein Geschenk Gottes war. Der Allerh\u00f6chste, getrieben von seiner Barmherzigkeit, schaute auf die Demut seiner Magd, die trotz ihrer gro\u00dfartigen Sendung nichts sich selbst zuschrieb. Sie war durch einen Sch\u00f6pfungsakt Gottes hervorgebracht aus dem Nichts. Sie hatte nichts aus sich selber. Alles was sch\u00f6n ist an ihr \u2013 und wir wissen, dass alles an ihr sch\u00f6n ist \u2013 wurde ihr von Gott gegeben. Diese beiden Unendlichkeiten betrachtend \u2013 die unendliche Majest\u00e4t Gottes und die Unendlichkeit ihres eigenen Nichts \u2013 brachten Maria zur logischen Schlussfolgerung: &#8220;Du bist alles, ich bin nichts. Du bist alles in mir. Mir geschehe, wie Du gesagt hast. Siehe, Deine Magd!&#8221; Wir wissen, dass diese totale Hingabe die Ozeane der g\u00f6ttlichen Liebe dazu bewegten, sich auszugie\u00dfen, um der verlorenen Welt Erl\u00f6sung zu bringen.<\/p>\n<p>Dreimal am Tag erinnern wir uns an dieses Geheimnis im Angelus Gebet. Die Zahl Drei steht f\u00fcr F\u00fclle, G\u00e4nze, Unwandelbarkeit und Dauer. Das dreifach wiederholte Gebet bedeutet, dass wir w\u00e4hrend des Tages st\u00e4ndig die Demut Mariens nachahmen sollen. Dabei geht es der Kirche nicht nur um die Wichtigkeit der Verk\u00fcndigung f\u00fcr die Erl\u00f6sung der Welt, sondern auch um die Wichtigkeit der Tugend der Demut. In diesem Ereignis wird uns die Demut in ihrem tiefsten Wesen gezeigt, im totalen Verzicht auf sich selbst und in der totalen Hingabe an Gott \u2013 der Hinwendung zu ihm. Wie vielsagend ist Mariens Antwort: &#8220;Ecce ancilla Domini.&#8221; Das Personalpronomen &#8220;ich&#8221; fehlt in dieser \u00c4u\u00dferung. Wir sehen nur ein Wort, mit welchem die menschliche Sprache die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Gef\u00e4lligkeit ausdr\u00fccken kann, n\u00e4mlich \u201eAncilla\u201c \u2013 eine Magd, eine Sklavin! Sie war immer die Dem\u00fctigste und betrachtete sich selbst vor Gott als Nichts.<\/p>\n<p>Bei der Verk\u00fcndigung wurde ihre Demut gepr\u00fcft und der h\u00e4rtesten Probe unterzogen. Maria erhielt eine Botschaft, die sie nicht nur \u00fcber alle Menschen erhob, sondern sogar, was die W\u00fcrde betrifft, \u00fcber alle Engel des Himmels: die K\u00f6nigin des Himmels und der Erde, die H\u00f6chste, die Herrlichste, die M\u00e4chtigste, abgesehen von Gott selbst. Tats\u00e4chlich, es kann einem schwindelig werden, wenn man so eine Botschaft h\u00f6rt, w\u00e4hrend Maria, obwohl so unermesslich erhoben, den inneren Frieden bewahrte und noch weiter wuchs in stiller Anbetung Gottes, der allein heilig und herrlich ist, aus sich selbst und in ihr.<\/p>\n<p>Ihre Demut tat sich unmittelbar nach der Verk\u00fcndigung kund. Sie eilte zum Hause von Zacharias und Elisabeth, um den Haushalt zu machen und ihrer Cousine zu helfen.<\/p>\n<p>Sie suchte die Gesellschaft dem\u00fctiger, ja sogar gedem\u00fctigter Seelen. Nur unter solchen Leuten f\u00fchlte sie sich wohl. Zacharias und Elisabeth geh\u00f6rten zu den wenigen dem\u00fctigen Seelen, die, im Gegensatz zu den stolzen Pharis\u00e4ern, ihre Rechtfertigung in den Vorschriften des Gesetzes suchten, auf Hilfe und Erl\u00f6sung des erbarmenden Gottes warteten, im Glauben und Vertrauen auf seine Versprechen. Zudem wurden sie gedem\u00fctigt durch die \u00f6ffentliche Meinung. Wegen ihrer kinderlosen Ehe wurden sie als bestraft und sogar von Gott verflucht angesehen. Die Gesellschaft glaubte, dass es ein handfester Beweis dieses Fluches sei, dass Zacharias von einem Moment auf den andern stumm geworden war; er hatte seinen Gottesdienst stumm beendet. Viele glaubten, dass es Gottes Strafe war f\u00fcr seine versteckten S\u00fcnden. Deshalb verachteten sie ihn. Er aber brachte keine Entschuldigung oder Erkl\u00e4rung vor, weder schriftlich noch in Zeichensprache.<\/p>\n<p>Das ist ein weiteres gro\u00dfes Zeichen der Demut. Da wir alle nichts sind vor Gott, liebt eine dem\u00fctige Seele diejenigen, die diese Wahrheit anerkennen. Und da auf dieser Welt Demut immer Dem\u00fctigung mit sich bringt, f\u00fchlt sich eine dem\u00fctige Seele zu den Gedem\u00fctigten hingezogen, vor allem zu jenen, die die Dem\u00fctigung mit Ergebung aus der Hand Gottes annehmen. In diesem Zusammenhang sollte man verstehen, dass es gerade w\u00e4hrend ihres Besuches bei Zacharias und Elisabeth geschah, dass Maria ihr Herz \u00f6ffnete und in den Lobgesang des Magnifikat ausbrach.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt der Demut ist die <strong>Besinnung auf das Wichtigste<\/strong>, n\u00e4mlich das g\u00f6ttliche Erbarmen, die Herrlichkeit des Herzens Gottes, welches sich so sehr danach sehnt, unser Nichts zu erf\u00fcllen. Aber Gott will dies nur an dem\u00fctigen Seelen vollbringen. Das Magnifikat ist ein mehrfach zusammengesetztes Gebet, das den Zustand einer dem\u00fctigen Seele vermittelt, die nicht anders kann, als st\u00e4ndig neue Wege zu suchen, Gott zu preisen, der allein allm\u00e4chtig ist.<\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt der Demut ist das Leiden. Der eigentliche Akt der Demut (welcher eine Seelenverfassung Gott gegen\u00fcber ist) f\u00fchrt oft zum Leiden im Hinblick auf die anderen Gesch\u00f6pfe. Wenn sich die dem\u00fctige Seele der Gr\u00f6\u00dfe des Herzens Gottes gegen\u00fcber \u00f6ffnet, gibt ihr Gott einen Anteil an seinen unendlichen Geheimnissen. Und da sie unendlich sind, kann, bzw. darf die Seele anderen manchmal nicht erz\u00e4hlen, was in ihrem Herzen vorgeht. Sogar ihre engsten Freunde verstehen sie nicht mehr. Sie leiden darunter und auch die Seele selber leidet. Sie f\u00fchlen sich missverstanden, vielleicht sogar abgelehnt und ziehen sich zur\u00fcck und so verblassen tiefe Freundschaften.<\/p>\n<p>In diesem Sinne muss das Leiden des hl. Josef verstanden werden, als er gewahr wurde, dass Maria empfangen hatte. Er sah keine andere M\u00f6glichkeit, als die geliebte Person zu verlassen, sich zur\u00fcckzuziehen, aus der Umgebung seiner am meisten geliebten Person zu verschwinden. Die Bereitschaft zu verschwinden war ein Akt der Anerkennung seines Nichts. Solch eine Bereitschaft war auch ein Akt der Demut gegen\u00fcber den geheimnisvollen F\u00fcgungen Gottes, deren Majest\u00e4t den hl. Josef \u00fcberw\u00e4ltigte.<\/p>\n<p>Aber Gott belohnt jeden Akt der Demut. Wenn n\u00f6tig sogar durch ein Wunder! Und dem\u00fctige Seelen vertrauen nicht nur in ihren Freuden auf Gott, sondern auch in ihren Leiden. Schlie\u00dflich ist Demut in der Welt praktisch immer mit Dem\u00fctigungen verbunden. Bei uns gefallenen Naturen ist es unm\u00f6glich, die Tugend der Demut ohne Dem\u00fctigungen zu erwerben. Obwohl Maria in einer anderen Situation war, da sie vom Makel der Erbs\u00fcnde bewahrt worden war, nahm sie freiwillig die Dem\u00fctigungen an, unendlich gr\u00f6\u00dfere und zahlreichere als unsere, um uns in dieser Hinsicht ein Beispiel der Demut zu geben. Nur gepr\u00fcfte Demut ist echt. Von dem Moment an, als die Worte &#8220;es ist kein Platz f\u00fcr euch&#8221; in Bethlehem gesprochen wurden, nahm Maria an den Dem\u00fctigungen ihres Sohnes teil. Er erlitt sie an seinem Leib, w\u00e4hrend sie sie in ihrem Herzen bewahrte: die Dem\u00fctigung, den Sohn Gottes in einer derben H\u00f6hle auf die Welt zu bringen, die Dem\u00fctigung Fl\u00fcchtlinge zu sein, die Dem\u00fctigung der unbeschreiblichen Verbannung in \u00c4gypten, die Dem\u00fctigung der Armut in Nazareth (deren sprechendes Zeugnis das Haus von Loreto ist), zahlreiche Dem\u00fctigungen w\u00e4hrend der \u00f6ffentlichen Wirksamkeit Jesu Christi, als sie selbst die wachsende Feindschaft der b\u00f6sen Menschen gegen\u00fcber ihrem Sohn wahrnahm.<\/p>\n<p>Dies alles f\u00fchrte zum H\u00f6hepunkt der Demut, als Christus in die totale physische Vernichtung ging. In diesem Moment stand Maria geistig vernichtet unter dem Kreuz, und sie stand dort unbewegt. Sie zeigte eine Demut, die nicht zur\u00fcckschreckte, nicht schwankte, nicht z\u00f6gerte, sich nicht beklagte und nicht aufbegehrte, w\u00e4hrend sie der h\u00e4rtesten Pr\u00fcfung unterzogen wurde! Mehr als das, es war die Demut einer Person, die v\u00f6llig darauf verzichtete, ihre edlen Charakterz\u00fcge zur Schau zu stellen.<\/p>\n<p>Maria, die nur f\u00fcr ihren Sohn lebte, erhielt an seiner Stelle uns als ihre Kinder! Anstelle des Heiligsten erhielt sie S\u00fcnder, anstelle von g\u00f6ttlicher Liebe erhielt sie unsere K\u00e4lte und Unbest\u00e4ndigkeit, anstelle von Sch\u00f6nheit \u2013 Ungeheuerlichkeit. Und sie akzeptierte Gottes Willen voll und ganz! Das ist der Gipfel der Demut!<\/p>\n<p>M\u00f6gen diese \u00dcberlegungen uns helfen, vor allem in dieser heiligen Fastenzeit, in das dem\u00fctige, schmerzhafte Herz der Immaculata einzutreten und sie um Hilfe zu bitten, damit unser Herz ebenso dem\u00fctig wird! Dann werden die Gnaden reichlich aus dem durchbohrten Herzen flie\u00dfen und uns erf\u00fcllen, heiligen und umwandeln!<\/p>\n<p>General Santos, 14. Februar 2016<\/p>\n<p>Pater Stehlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Pater Stehlin O Immaculata, du Dem\u00fctigste! Liebe Ritter der Immaculata! Da in diesem Jahr der Karfreitag auf den 25. M\u00e4rz f\u00e4llt, will die g\u00f6ttliche Vorsehung unsere Aufmerksamkeit gleichzeitig auf die zwei gr\u00f6\u00dften Geheimnisse unseres Glaubens lenken, um uns durch deren Betrachtung zu heiligen! 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