{"id":15835,"date":"2019-03-19T21:05:53","date_gmt":"2019-03-19T20:05:53","guid":{"rendered":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/?p=15835"},"modified":"2019-03-19T21:05:53","modified_gmt":"2019-03-19T20:05:53","slug":"nehmt-euch-zeit-und-seht-dass-ich-gott-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/nehmt-euch-zeit-und-seht-dass-ich-gott-bin\/","title":{"rendered":"\u201eNehmt euch Zeit und seht, dass ich Gott bin.\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-15836 alignright\" src=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Bernhard.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Bernhard.jpg 350w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Bernhard-191x300.jpg 191w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/>Der hl. Bernhard von Clairvaux hat 1148 an Papst Eugen III., seinen ehemals untergebenen M\u00f6nch, einen Brief \u00fcber die Gefahren der \u00dcberbesch\u00e4ftigung geschrieben. Da eine der drei S\u00e4ulen der Fastenzeit (neben Fasten und Almosen) das Gebet \u2013 also die Zeit f\u00fcr Gott \u2013 ist, und der Stress, die \u00dcberbesch\u00e4ftigung, heute ein allgemeines \u00dcbel ist, passt dieser Brief ausgezeichnet in die Fastenzeit und kann uns anspornen, bewusster Zeit f\u00fcr das Nachdenken in der Gegenwart Gottes (die Betrachtung) zu nehmen. \u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Bernhard von Clairvaux: \u00dcber die Besinnung an Papst Eugen: S\u00e4mtliche Werke, Bd. I, hg. von P. Gerhard B. Winkler, Innsbruck (Tyrolia-Verlag) 1990, 629-635 (gek\u00fcrzt).<\/p>\n<p>Womit soll ich also beginnen? Vielleicht mit deinen Besch\u00e4ftigungen, denn in diesem Punkt habe ich mit dir am meisten Mitleid. Ich sagte: Mitleid; das setzt jedoch voraus, dass auch du leidest. Sonst h\u00e4tte ich eher sagen m\u00fcssen: \u201eIch leide deinetwegen\u201c, denn das Wort Mitleid passt nicht, wenn niemand leidet.<\/p>\n<p>Wenn du also leidest, leide ich mit dir, wenn nicht, leide ich trotzdem, ja sogar sehr, denn ich wei\u00df, dass sich ein Glied noch weiter von der Gesundheit entfernt, wenn es gef\u00fchllos geworden ist, so wie ein Kranker, wenn er den Ernst seines Leidens nicht erfasst.<\/p>\n<p>Das ist der Grund, warum ich mir immer um dich Sorgen gemacht habe und mache: Ich f\u00fcrchte, dass du inmitten deiner zahlreichen Besch\u00e4ftigungen, deren Ende du nicht absiehst, deine Stirn verh\u00e4rtest und dich nach und nach selbst der gerechtfertigten und n\u00fctzlichen Schmerzempfindung beraubst.<\/p>\n<p>Viel kl\u00fcger w\u00e4re es, dich von ihnen zumindest zeitweilig loszurei\u00dfen, als dich von ihnen mitrei\u00dfen und \u2013 langsam, aber sicher \u2013 dorthin f\u00fchren zu lassen, wohin du nicht willst. Wohin, fragst du? Zu einem verh\u00e4rteten Herzen. Doch frage nicht weiter, was das denn sei! Wenn du nicht erschrocken bist, ist es das deinige.<\/p>\n<p>Niemand hat mit einem verh\u00e4rteten Herzen je das Heil erlangt, au\u00dfer wenn ihm Gott in seinem Erbarmen vielleicht \u2013 wie der Prophet sagt \u2013 das Herz aus Stein aus der Brust nahm und ihm ein Herz von Fleisch gab.<\/p>\n<p>Was also ist ein verh\u00e4rtetes Herz? Eines, das sich von keiner Reue zerrei\u00dfen, keiner Liebe erweichen und keinen Bitten r\u00fchren l\u00e4sst. Es l\u00e4sst sich durch Drohungen nicht bewegen und wird bei Schl\u00e4gen trotzig. Bei Wohltaten zeigt es sich undankbar, Ratschl\u00e4gen gegen\u00fcber misstrauisch; unmenschlich den Menschen und vermessen Gott gegen\u00fcber; es vergisst die Vergangenheit, vernachl\u00e4ssigt die Gegenwart und k\u00fcmmert sich nicht um die Zukunft. Um alle \u00fcblen Eigenschaften dieses schrecklichen \u00dcbels kurz zusammenzufassen: es f\u00fcrchtet Gott nicht und nimmt auf keinen Menschen R\u00fccksicht.<\/p>\n<p>Sieh, wohin dich diese verfluchten Besch\u00e4ftigungen bringen k\u00f6nnen, wenn du fortf\u00e4hrst, wie du begonnen hast, dich ihnen ganz anheimzugeben, und nichts von dir f\u00fcr dich zur\u00fcckbeh\u00e4ltst! Du verlierst deine Zeit und richtest dich in unn\u00fctzer M\u00fche mit diesen Dingen zugrunde, die nur den Geist niederdr\u00fccken, das Herz entleeren und die Gnade entkr\u00e4ften. Denn was ist die Frucht von all dem? Nur ein Spinnengewebe!<\/p>\n<p>Wenn Du Dein ganzes Leben und Erleben v\u00f6llig ins T\u00e4tigsein verlegst und keinen Raum mehr f\u00fcr die Besinnung vorsiehst, soll ich Dich da loben? Darin lobe ich Dich nicht. Ich glaube, niemand wird Dich loben, der das Wort Salomos kennt: <strong>Wer seine T\u00e4tigkeit einschr\u00e4nkt, erlangt Weisheit <\/strong>(Jesus Sirach 38, 25). Und bestimmt ist es der T\u00e4tigkeit selbst nicht f\u00f6rderlich, wenn ihr nicht die Besinnung vorausgeht.<\/p>\n<p>Du fragst, was das sei: pietas (Andacht). Sich Zeit nehmen f\u00fcr das Nachdenken.<\/p>\n<p>Du sagst vielleicht, ich stimmte damit nicht mit dem \u00fcberein, der pietatis als Gottesverehrung definiert hat (Hiob 28, 28) Das ist nicht wahr. Wenn Du gut nachdenkst, habe ich mit eigenen Worten das gleiche gesagt, was er meint, wenn auch unter einem bestimmten Gesichtspunkt. <strong>Denn was ist wesentlicher f\u00fcr den Gottesdienst als das, wozu Gott selbst im Psalm ermahnt: Nehmt euch Zeit und seht, dass ich Gott bin (Psalm 46, 11)? Und das ist doch das wichtigste beim Nachdenken.<\/strong><\/p>\n<p>Fange damit an, dass Du \u00fcber Dich selbst nachdenkst, damit Du Dich nicht selbstvergessen nach anderem ausstreckst. Was n\u00fctzt es Dir, wenn Du die ganze Welt gewinnst und einzig Dich verlierst? Denn w\u00e4rest Du auch weise, so w\u00fcrde Dir doch etwas zur Weisheit fehlen, solange Du Dich nicht selbst in der Hand hast. Wieviel Dir fehlen w\u00fcrde? Meiner Ansicht nach alles.<\/p>\n<p>Keiner ist also weise, der nicht \u00fcber sich selbst Bescheid wei\u00df. Ein Weiser muss zun\u00e4chst in Weisheit sich selbst kennen und als erster aus seinem eigenen Brunnen Wasser trinken. Fang also damit an, \u00fcber Dich selbst nachzudenken, und nicht nur dies: lass Dein Nachdenken auch bei Dir selbst zum Abschluss kommen. Wohin Deine Gedanken auch schweifen m\u00f6gen, rufe sie zu Dir selbst zur\u00fcck, und Du erntest Fr\u00fcchte des Heils. Sei Du f\u00fcr Dich der erste und der letzte Gegenstand des Nachdenkens.<\/p>\n<p>Wenn es um Dein Heil geht, hast Du keinen besseren Bruder als Dich selbst. Verschlie\u00dfe Dich vor allen Gedanken, die gegen Dein Heil sind. Was immer sich Deinen Gedanken anbietet: weise es zur\u00fcck, wenn es nicht auf irgendeine Weise mit Deinem Heil zu tun hat.<\/p>\n<p>So halte Dir f\u00fcr Deine Selbsteinsch\u00e4tzung gleichzeitig vor Augen, woher wir in Wirklichkeit stammen, und wie geheimnisvoll wir erl\u00f6st sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der hl. Bernhard von Clairvaux hat 1148 an Papst Eugen III., seinen ehemals untergebenen M\u00f6nch, einen Brief \u00fcber die Gefahren der \u00dcberbesch\u00e4ftigung geschrieben. 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