{"id":38807,"date":"2021-08-12T13:02:22","date_gmt":"2021-08-12T11:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/?p=38807"},"modified":"2021-08-12T13:50:07","modified_gmt":"2021-08-12T11:50:07","slug":"386-stunden-im-hungerbunker-zeugnisse-zum-80-todestag-des-hl-maximilian-kolbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/386-stunden-im-hungerbunker-zeugnisse-zum-80-todestag-des-hl-maximilian-kolbe\/","title":{"rendered":"386 Stunden im Hungerbunker &#8211; Zeugnisse zum 80. Todestag des hl. Maximilian Kolbe"},"content":{"rendered":"<h5><a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-38819 size-large\" src=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-1024x538.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-300x157.jpg 300w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-768x403.jpg 768w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-1536x806.jpg 1536w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-2048x1075.jpg 2048w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-425x223.jpg 425w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Zitat_2021_kw32_tod_maximilian-600x315.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/h5>\n<p>Nachstehend unseren Artikel aus unserer <a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/mi-zeitschrift\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MI-Ritter-Zeitschrift<\/a> Mai 2021 \u00fcber die letzten Tage des hl. Maximilian Kolbe.<\/p>\n<p>Am 14. August 2021 j\u00e4hrt sich der Tod des hl. Maximilian Kolbe, der selbst von gewissen SS-Offizieren als heroisch bewundert wurde, zum 80. Mal. Aus diesem Anlass wollen wir zu Ehren unseres Patrons und zur Ehre der Immaculata, dessen Instrument er war, die Zeugen seiner Zeit sprechen lassen. Wie haben ihn seine Mitgefangenen erlebt? Was sagt der Mann, f\u00fcr den er sich geopfert hat?<\/p>\n<p>Der erste Zeitzeuge ist Micha\u0142 Micherdzi\u0144ski, ein Mith\u00e4ftling, der erst 2006 verstarb. Pater Witold Pobiedzi\u0144ski f\u00fchrte ein Gespr\u00e4ch mit ihm, das hier auszugsweise wiedergegeben wird.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Der \u00dcberlebende von Auschwitz erkl\u00e4rt zuerst, wie es wegen eines Ausbrechers einen Appell gab und zehn H\u00e4ftlinge aus ihrem Block zum Hungertod verurteilt wurden.<\/p>\n<h5>Wie verhielt sich der heilige Maximilian w\u00e4hrend dieser Auslese?<\/h5>\n<p>\u201ePater Maximilian und ich standen in der siebten Reihe. Er stand links von mir, vielleicht zwei oder drei Freunde standen zwischen uns. Als die Reihen vor uns sich immer mehr lichteten, begann sich eine gro\u00dfe Furcht \u00fcber mich zu legen \u2026 Obwohl man immer noch das \u201aDu!\u2018 h\u00f6rte, ver\u00e4nderte mich das innere Gebet genug, damit ich etwas ruhiger wurde \u2026 Der SS-Mann ging an mir vorbei, mit seinen Augen schweifte er \u00fcber mich hinweg und dann lie\u00df er auch Pater Maximilian hinter sich. Sie wollten Franciszek Gajowniczek, einen 41-j\u00e4hrigen Unteroffizier der polnischen Armee, der am Ende der Reihe stand. Als der Deutsche \u201aDu!\u2018 sagte und auf ihn zeigte, rief der arme Mann aus, \u201aJesus, Maria! meine Frau, meine Kinder!\u2018 Nat\u00fcrlich beachteten die SS-M\u00e4nner die Worte des Gefangenen nicht, sondern schrieben nur seine Nummer auf.\u201c<\/p>\n<h5>\u00a0Als die Auslese beendet war, f\u00fchlten sich die \u00fcbrig gebliebenen Gefangenen erleichtert, dass der Schrecken nun vorbei war?<\/h5>\n<p>\u201eDie Auswahl ging zu Ende und die zehn Gefangenen waren bereits ausgesucht \u2026 Pl\u00f6tzlich begannen Unruhen in meiner Reihe. Wir standen in Abst\u00e4nden von der L\u00e4nge unserer Holzschuhe, als pl\u00f6tzlich jemand anfing zwischen den Gefangenen nach vorne zu gehen. Es war Pater Maximilian.<br \/>\n\u2026 Er ging direkt auf die Gruppe der SS-M\u00e4nner zu, die bei der ersten Reihe der Gefangenen stand. <strong>Alle erschauderten, denn das bedeutete den Bruch der Regel, auf der am meisten beharrt wurde und deren Zuwiderhandlung aufs Brutalste bestraft wurde. Das Verlassen der Reihe bedeutete den Tod \u2026 <\/strong>Wir waren sicher, dass sie Pater Maximilian t\u00f6ten w\u00fcrden, bevor er es geschafft hatte, zu ihnen zu gelangen. Aber es passierte etwas Au\u00dferordentliches \u2026 Nie konnte ein Gefangener die Reihe verlassen, ohne bestraft zu werden. Es war so unvorstellbar f\u00fcr die SS-M\u00e4nner, dass sie ganz verdutzt dastanden. Sie schauten einander an und wussten nicht, was geschah.\u201c<\/p>\n<h5><a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Maximilian-Kolbe-vor-SS-Offizier.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-38870 size-medium\" src=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Maximilian-Kolbe-vor-SS-Offizier-300x233.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Maximilian-Kolbe-vor-SS-Offizier-300x233.png 300w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Maximilian-Kolbe-vor-SS-Offizier-425x330.png 425w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Maximilian-Kolbe-vor-SS-Offizier-600x466.png 600w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Maximilian-Kolbe-vor-SS-Offizier.png 618w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/h5>\n<h5>Was geschah als N\u00e4chstes?<\/h5>\n<p>\u201ePater Maximilian ging in seinen Pantoffeln, seiner gestreiften Uniform und seiner Sch\u00fcssel an seiner Seite. Er lief weder wie ein Bettler noch wie ein Held. <strong>Er ging wie ein Mann, der sich seiner gro\u00dfen Sendung bewusst ist.<\/strong> Er stand ruhig vor den Offizieren. Der Lagerkommandant fand seine Sinne schlie\u00dflich wieder. W\u00fctend fragte er seinen Stellvertreter: \u201aWas will dieses polnische Schwein?\u2018 Sie hielten nach dem \u00dcbersetzer Ausschau, doch es stellte sich heraus, dass kein \u00dcbersetzer ben\u00f6tigt wurde. Pater Maximilian antwortete ruhig: <strong>\u201aIch will sterben f\u00fcr ihn.\u2018<\/strong> und zeigte mit seiner Hand auf Gajowniczek, der neben ihm stand. Die Deutschen standen sprachlos mit vor Erstaunen weit offenem Mund. F\u00fcr sie, die die weltliche Gottlosigkeit repr\u00e4sentierten, war es unverst\u00e4ndlich, dass jemand w\u00fcnschen k\u00f6nnte, f\u00fcr einen anderen zu sterben. Sie schauten Pater Maximilian mit der Frage in ihren Augen an: Ist er \u00fcbergeschnappt? Vielleicht haben wir nicht recht verstanden, was er sagte?<br \/>\nSchlie\u00dflich wurde die zweite Frage vorgebracht: <strong>\u201aWer bist du?\u2018 <\/strong>Pater Maximilian antwortete: <strong>\u201aIch bin ein polnischer katholischer Priester.\u2018<\/strong> Damit gestand der Gefangene, dass er ein Pole war, dass er aus der Nation stammte, die sie hassten. Weiter gab er auch zu, dass er ein Geistlicher war. F\u00fcr die SS-M\u00e4nner war der Priester ein Gewissensbiss. Es ist interessant, dass Pater Maximilian in seinem Gespr\u00e4ch nicht einmal das Wort \u201abitte\u2018 verwendet \u2026 Es herrschte t\u00f6dliches Schweigen und jede Sekunde schien Jahrhunderte zu dauern.<br \/>\nSchlie\u00dflich geschah etwas, das weder die Deutschen noch die Gefangenen bis heute verstehen. Der SS-Kommandant drehte sich zu Pater Maximilian um und sprach ihn f\u00f6rmlich mit \u201aSie\u2018 an und fragte: <strong>\u201aWarum wollen Sie f\u00fcr ihn sterben?\u2018<\/strong><br \/>\nAlle Grunds\u00e4tze, auf die sich der SS-Mann zuvor berief, fielen auseinander. Einen Moment zuvor nannte er ihn \u201adas polnische Schwein\u2018 und jetzt wendet er sich mit \u201aSie\u2018 an ihn. Die SS-M\u00e4nner und die nicht autorisierten Offiziere neben ihm trauten ihren Ohren nicht. Nur ein einziges Mal in der Geschichte der Konzentrationslager sprach ein hochrangiger Offizier, der Tausende von Menschen ermorden lie\u00df, einen Gefangenen auf diese Weise an.<br \/>\nPater Maximilian antwortete: <strong>\u201aEr hat eine Frau und Kinder.\u2018 <\/strong>Es ist wie der ganze Katechismus in einer Nussschale. Er lehrte jedermann die Wichtigkeit von Vaterschaft und Familie. Er war ein Mann mit zwei Doktoraten, die er sich in Rom mit \u201asumma cum laude\u2018 (der h\u00f6chstm\u00f6glichen Auszeichnung) erarbeitet hatte, ein Schriftsteller, Missionar, akademischer Lehrer der Universit\u00e4ten Krakau und Nagasaki. Er dachte, dass sein Leben weniger wert sei als das Leben eines Familienvaters. Das war eine wundervolle Katechismus-Stunde!\u201c<\/p>\n<h5>Wie reagierte der Offizier auf Pater Maximilians Worte?<\/h5>\n<p>\u201eAlle warteten darauf, was als n\u00e4chstes passieren w\u00fcrde. Der SS-Mann war \u00fcberzeugt davon, dass er der Herr \u00fcber Leben und Tod sei. Er h\u00e4tte anordnen k\u00f6nnen, ihn schrecklich zu schlagen, weil er gegen die am strengsten zu befolgende Regel versto\u00dfen hatte, indem er aus der Reihe getreten war. Und noch wichtiger: Darf ein Gefangener es wagen, Moral zu predigen?! Er h\u00e4tte auch beide zum Hungertod verurteilen k\u00f6nnen. Nach einigen Sekunden sagte der SS-Mann: \u201aGut!\u2018 \u2013 Er war mit Pater Maximilians Vorschlag einverstanden und gab zu, dass er Recht hatte. Es bedeutete, dass das Gute \u00fcber das B\u00f6se siegte, \u00fcber das maximal B\u00f6se.\u201c<\/p>\n<h5>Wie wichtig war es f\u00fcr die verbleibenden Gefangenen Augenzeugen zu sein?<\/h5>\n<p>\u201eDie Deutschen lie\u00dfen Gajowniczek in die Reihe zur\u00fccktreten und Pater Maximilian nahm seinen Platz ein \u2026 Pater Maximilian ging als einer der Letzten und half sogar anderen Gefangenen zu gehen. Im Prinzip war es ihr eigenes Begr\u00e4bnis vor dem Tod. Vor dem Block wurden sie angewiesen, ihre gestreiften Uniformen auszuziehen und wurden in eine Zelle von ungef\u00e4hr acht Quadratmetern Fl\u00e4che geworfen. Ein wenig Sonnenlicht sickerte durch die drei Fensterstreifen auf den kalten, harten und nassen Boden und die schwarzen W\u00e4nde.<br \/>\n<strong>Da geschah noch ein weiteres Wunder. Obwohl Pater Maximilian nur noch mit einer Lungenh\u00e4lfte atmen konnte, \u00fcberlebte er am l\u00e4ngsten. Er lebte 386 Stunden in der Todeszelle. Jeder Arzt wird erkennen, dass das unglaublich ist.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201e\u2026 Unser heiliger Mitgefangener rettete vor allem die Menschlichkeit in uns. Er war ein geistlicher Hirte im Hungerbunker, tr\u00f6stete, f\u00fchrte Gebete an, lie\u00df S\u00fcnden nach und entlie\u00df die Sterbenden mit dem Kreuzzeichen in die andere Welt. Er st\u00e4rkte den Glauben und die Hoffnung in uns, die die Auswahl \u00fcberlebten. Inmitten dieser Zerst\u00f6rung, dieses Schreckens und des B\u00f6sen erneuerte er die Hoffnung.\u201c \u2013 Soweit dieses erste authentische Zeugnis.<\/p>\n<p>Derjenige, f\u00fcr den Maximilian starb, Franciszek Gajowniczek, wurde nicht nur gerettet, sondern lebte noch weitere 54 Jahre. Auch er gab Zeugnis von Maximilian Kolbe:<\/p>\n<figure id=\"attachment_38886\" aria-describedby=\"caption-attachment-38886\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Franciszek-Gajowniczek.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-38886 size-medium\" src=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Franciszek-Gajowniczek-300x142.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"142\" srcset=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Franciszek-Gajowniczek-300x142.png 300w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Franciszek-Gajowniczek-425x201.png 425w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Franciszek-Gajowniczek-600x283.png 600w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Franciszek-Gajowniczek.png 623w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-38886\" class=\"wp-caption-text\">Franciszek Gajowniczek<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eIch konnte ihm nur mit meinen Augen danken. Ich war fassungslos und konnte kaum begreifen, was da vor sich ging. Die Unermesslichkeit dessen: Ich, der Verurteilte, soll leben und ein anderer opfert freiwillig und bereitwillig sein Leben f\u00fcr mich \u2013 einen Fremden. Ist das ein Traum?<\/p>\n<p>Ohne dass ich Zeit gehabt h\u00e4tte, Maximilian Kolbe etwas zu sagen, wurde ich wieder auf meinen Platz gesetzt. Ich wurde gerettet \u2026 Die Nachricht sprach sich schnell im ganzen Lager herum. Es war das erste und letzte Mal, dass ein solcher Vorfall in der ganzen Geschichte von Auschwitz geschah.<\/p>\n<p>Lange Zeit empfand ich Gewissensbisse, wenn ich an Maximilian dachte. Indem ich zulie\u00df, dass ich gerettet wurde, hatte ich sein Todesurteil unterschrieben. <strong>Aber jetzt, beim Nachdenken, verstand ich, dass ein Mann wie er nicht anders handeln konnte.<\/strong> Vielleicht dachte er, dass sein Platz als Priester an der Seite der Verurteilten war, um ihnen zu helfen, die Hoffnung zu bewahren. Tats\u00e4chlich war er bis zum Schluss bei ihnen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Ein pers\u00f6nliches Zeugnis \u00fcber die Art und Weise, wie Maximilian Kolbe dem Tod begegnete, gibt uns Bruno Borgowiec, einer der wenigen Polen, die f\u00fcr den Dienst im Hungerbunker eingeteilt waren. Er berichtete seinem Gemeindepfarrer, bevor er 1947 starb:<\/p>\n<p>\u201eAus der Zelle, in der diese Ungl\u00fccklichen lebend begraben waren \u2026 h\u00f6rte man t\u00e4glich die laut gesprochenen Gebete, den Rosenkranz und die frommen Ges\u00e4nge, denen sich die Verdammten der Nachbarzellen anschlossen \u2026 Sooft ich dort hinabstieg, ert\u00f6nten inbr\u00fcnstige Gebete und Hymnen an die heilige Jungfrau \u00fcber den ganzen unterirdischen Bau. Pater Maximilian Kolbe begann immer und alle anderen fielen ein \u2026 Dann kamen die Tage des entsetzlichen Hungers \u2026 Wenn die Zellen ge\u00f6ffnet wurden,\u201c erz\u00e4hlt Borgoviec, \u201eflehten die armen Ungl\u00fccklichen heftig weinend nach einem St\u00fcck Brot, einem Schluck Wasser \u2026 Auch w\u00e4hrend dieser Tage hat sich Pater Maximilian Kolbe wie ein Held benommen: Er bat um nichts und beklagte sich \u00fcber nichts. Er machte den anderen Mut \u2026\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>\u00dcber zwei Wochen dauerte f\u00fcr Maximilian dieses qualvolle Martyrium. Man kann sich vorstellen, wie er seinen Mith\u00e4ftlingen, einem nach dem anderen beim Tode beistand. Zuletzt war er noch der Einzige, der bei Bewusstsein war, drei weitere lagen bewusstlos am Boden. Er wartete nun auf den Moment, da ihn seine sch\u00f6ne \u201eMamusia\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, wie er Maria liebevoll nannte, abholen w\u00fcrde, um ihm die rote Krone zu \u00fcberreichen, die sie ihm schon als kleinen Jungen in der Kirche von Pabianice versprochen hatte. Da man die Zelle wieder brauchte, wurde der Henker mit vier Karbolspritzen herbeigeholt.<\/p>\n<p>\u201eUnd nun\u201c, erz\u00e4hlt Bruno Borgoviec, \u201ereichte Pater Kolbe, das Gebet auf den Lippen, dem Henker von selbst den Arm. Ich ertrug es nicht l\u00e4nger, meine Augen wollten nicht schauen, und unter einem Vorwand \u2013 ich h\u00e4tte im B\u00fcro zu tun \u2013 entfloh ich\u2026\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>\u201eAls die W\u00e4chter der Gestapo mit dem Henker gegangen waren \u2026 stieg ich wieder hinab \u2026 als ich die Eisent\u00fcr \u00f6ffnete, lebte Pater Maximilian Kolbe nicht mehr. Sein Gesicht strahlte auf ungew\u00f6hnliche Weise. Seine Augen waren weit ge\u00f6ffnet und auf einen Punkt ausgerichtet. Seine ganze Erscheinung, als sei sie in Ekstase. Ich werde diesen Augenblick nie vergessen k\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Es war der Vorabend des Festes Mari\u00e4 Himmelfahrt, der 14. August 1941.<\/p>\n<h5><a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Pater-Kolber-im-Hungerbunker.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-38878 size-medium\" src=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Pater-Kolber-im-Hungerbunker-213x300.png\" alt=\"\" width=\"213\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Pater-Kolber-im-Hungerbunker-213x300.png 213w, https:\/\/test4.mi-backup.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Pater-Kolber-im-Hungerbunker.png 229w\" sizes=\"(max-width: 213px) 100vw, 213px\" \/><\/a><\/h5>\n<p>Seine heroische Hingabe war der H\u00f6hepunkt eines heroischen Lebens. Dies fiel auch in den Monaten von Auschwitz auf. Maximilian Kolbe teilte seine kargen Mahlzeiten mit anderen, tr\u00f6stete die Mitgefangenen, hielt Vortr\u00e4ge \u00fcber Maria, h\u00f6rte Beichte, stand den Sterbenden bei und konnte sogar zweimal die hl. Messe lesen. Ein eindr\u00fcckliches Zeugnis gibt uns der evangelische Lagerarzt Dr. Diem: \u201eIn jenem Konzentrationslager in dem der allgemeine Kampf um das Leben, den der Selbsterhaltungstrieb in einem jedem ausgel\u00f6st hatte, allem Denken und Handeln der H\u00e4ftlinge zugrunde lag, hatte Pater Maximilian Kolbe durch seine moralische Haltung, das hei\u00dft durch seinen lebendigen Glauben an den Herrn und an die Vorsehung, in seiner christlichen Hoffnung und vor allem in seiner Liebe zu Gott und zum N\u00e4chsten bereits alle \u00fcberholt, und vor allen hatte er sich bereits ausgezeichnet, noch bevor es zur letzten Heldentat kam. Ganz gewiss habe ich nie einen Mann wie ihn im Lager Auschwitz kennengelernt, obwohl ich tagt\u00e4glich mit Hunderten von H\u00e4ftlingen zu tun hatte, unter denen es Priester gab, M\u00f6nche, Professoren, F\u00fcrsten, K\u00fcnstler, M\u00e4nner aus allen gesellschaftlichen Schichten. <strong>Ich wiederhole: Ich war vom Januar 1941 bis Januar 1945 in jenem Lager, und mir ist kein anderer Fall einer so sublimen<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> N\u00e4chstenliebe bekannt.\u201c<\/strong><a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p><strong>Pro amore usque ad victimam \u2013 Alles f\u00fcr die Liebe bis zum Opfer<\/strong>. Dies war das Leitwort unseres Heiligen, seit seiner Primiz. Da er sich der Immaculata ganz hingegeben hatte, f\u00fchrte sie ihn unter das Kreuz und lehrte ihn, geistigerweise mit ihr unter dem Kreuz zu stehen, den Blick auf Christus gerichtet, in der Nachahmung seiner Hingabe bis zum \u00c4u\u00dfersten: \u201eNiemand hat eine gr\u00f6\u00dfere Liebe, als wer sein Leben hingibt f\u00fcr seine Freunde\u201c (Jo 15,13).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor: Benjamin Aepli<\/p>\n<p>Erschienen in: <a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/mi-zeitschrift\/\">MI-Ritter-Zeitschrift<\/a>, Ausgabe Mai 2021<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/zeugnis-seines-lebensopfers\/\">https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/zeugnis-seines-lebensopfers\/<\/a>, abgerufen am 29.03.2021.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> http:\/\/www.auschwitz.dk\/Kolbe.htm, abgerufen am 29.03.2021.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> S. C. Lorit, Chronik der letzten Tage, Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg 1974, S. 20,21.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Polnisch f\u00fcr M\u00fctterchen.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebd. S. 65.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebd. S. 81.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Erhabenen.<br \/>\n<a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ebd. S. 118.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachstehend unseren Artikel aus unserer MI-Ritter-Zeitschrift Mai 2021 \u00fcber die letzten Tage des hl. Maximilian Kolbe. Am 14. August 2021 j\u00e4hrt sich der Tod des hl. Maximilian Kolbe, der selbst von gewissen SS-Offizieren als heroisch bewundert wurde, zum 80. Mal. Aus diesem Anlass wollen wir zu Ehren unseres Patrons und<a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/386-stunden-im-hungerbunker-zeugnisse-zum-80-todestag-des-hl-maximilian-kolbe\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":217,"featured_media":38828,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38807"}],"collection":[{"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/217"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=38807"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38807\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38896,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/38807\/revisions\/38896"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=38807"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=38807"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/test4.mi-backup.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=38807"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}